Zürcher Patrizier heiratet Öl-Erbin aus Oklahoma

Hochzeit in feinster Gesellschaft. Henry Bodmer, der Enkel von Margot Bodmer und dem verstorbenen Clan-Chef Henry Bodmer, Sohn von Annina Müller-Bodmer und George Müller (Cosatravel) hat geheiratet. Am 17. September in Tulsa Oklahoma. Die Braut ist Annie Atkinson, Enkelin des ehemaligen US-Senators Dewey Bartlett. Die Braut ist Beauty-Unternehmerin und -Autorin (www.shesintheglow.com). Eine grosse Gesellschaft aus Zürich reiste zur Hochzeit, die im Philbrook Museum in Tulsa vom presbyterianischen Pastor Reverend James D. Miller zelebriert wurde. „Brautjungfern“ waren die Schwestern des Bräutigams, Martina Müller und Nina Müller, unter den „Groomsmen“ waren sein Cousin Constantin Schenker und David Wille (aus der Generals-Verwandtschaft). Zeremonienmeister (honor attendant) war der beste Freund des Bräutigams Philipp Albers, Sohn von Sophie und Franz Albers-Schönberg, ehemaliger NZZ-Verwaltungsrat.

Unter den Gästen auch Walter Frey (Emil Frey AG) und Barbara Frey.

Die Braut, deren Vater im Öl-Business ist, trug ein Kleid von Monique Lhuillier. Die Hochzeitsreise geht nach Patagonien/Chile. Das junge Paar wird in New York City leben, wo Henry Bodmer (arbeitet bei Starr Investment Company) studiert hat. In New York haben sie sich 2013 kennengelernt. Die prominente Heirat fand sogar Erwähnung – mit Foto – in der „New York Times“.

 

 

 

Fondation Beyeler: Erweiterungsbau vonPeter Zumthor

Das Atelier Peter Zumthor erhält den Auftrag für den Erweiterungsbau der Fondation Beyeler in Riehen bei Basel. Die Fondation Beyeler, 1997 eröffnet, das Hauptgebäude von Stararchitekt Renzo Piano entworfen und mehrfach preisgekrönt, ist eines der attraktivsten Museen der Schweiz. Zurzeit läuft die Ausstellung "Kandinsky, Marc & der Blaue Reiter". Ab 2. Oktober werden auch Werke des New Yorkers Roni Horn gezeigt.

Am Wochenende findet die "Summer Night's Gala" statt, mit einer Auktion zugunsten der Fondation Beyeler, die von Simon de Pury durchgeführt wird.

Luxusmagazin "L'Officiel" Schweiz in Konkurs

Man nannte ihn „Ikarus de Medienbranche“ - keiner flog höher als er. Oliver Burger, Herausgeber des Hochglanz-Magazins „L'Officiel“ Schweiz, hatte, wenn man ihn traf, nur Positives zu berichten. Auflagezahlen, Inseratevolumen, Leserzahlen – alles war im grünen Bereich. Man konnte nur staunen (oder neidisch werden) - in einer für Printmedien schwierigen Zeit. Sandra Bauknecht, als Chefredaktorin mit einem Aktienpaket am Geschäft beteiligt, konnte die Champagnerkorken knallen lassen, so geschmiert lief das Geschäft: „Gemäss Bilanz ging alles gut, immer besser, alle freuten sich.“

Und dann der Knall. Am 3. August musste „L'Officiel Schweiz“ Konkurs anmelden. Die Zahlen, die Oliver Burger vorgelegt hatte, waren gefälscht. Wegen Bilanzfälschung muss sich der Tausendsassa jetzt verantworten. Oliver Burger gibt an, dass er „sich selber bei der Polizei angezeigt“ habe.

Wie genau es lief: Oliver Burger hat fiktive Rechnungen ausgestellt, hat Bilanzen gefälscht, einen Gewinn angegeben, wo in Wirklichkeit ein Verlust war. Kurz: Er hat dem Verwaltungsrat falsche Zahlen präsentiert. Wie die sehr enttäuschte Sandra Bauknecht über ihren seit zwei Jahren engsten Kollegen sagt: „Dieser Mensch hat uns getäuscht“. Die Scheinrechnungen, die er gestellt hatte, bezahlte er schliesslich mit seinem eigenen Geld, um die Situation zu retten, in der Hoffnung, die allgemeine Lage (sprich Konjunktur) werde besser. Ein Verwaltungsrat: „Als die Situation schon katastrophal war, hat er nicht den Mut gehabt, es uns einzugestehen. Als wir vor vollendete Tatsachen gestellt waren, war es zu spät, um noch Massnahmen zu ergreifen.“ Alle haben Geld verloren (der Schaden-Verursacher selbst 382'000 Franken). Nach dem Konkurs wird „L'Officiel Schweiz“ von „L'Officiel Paris“ übernommen, die neue Chefredaktorin ist Odile Burger, erste Frau des verstorbenen PKZ-Chefs Philippe Olivier Burger.

Oliver Burger, der seine Tätigkeit als Verlagskaufmann beim Kulturmagazin „Du“ unter Oliver Prange startete (vorher war er Kaufmann, Werber und Galerist), gibt Fehler zu: „Das Gerücht geht um, ich hätte Geld unterschlagen. Das Gegenteil ist wahr – Ich wollte mit meinem eigenen Geld die Firma retten. Dass ich Bilanzen fälschte, war ein grober Fehler.“

Das „L'Officiel Schweiz“ startete mit grossen Hoffnungen – und viel Selbstbewusstsein. Im Mai 2014 mit grosser Party im „Kaufleuten“, Sandra Bauknecht wie immer märchenhaft angezogen. Da sie in ihrem Blog „sandrascloset“ über Luxusgüter berichtet, legen ihre die Designer die teuersten Klamotten vor die Tür und hoffen, dass sie sie anzieht und mit ihrem hübschen Äusseren gute Reklame macht. Bauknecht muss jetzt über „diese irre Enttäuschung“ hinwegkommen. Nach dem Drama mit „L'Officiel“ widmet sie sich weiter ihrem Blog. Wie es mit ihrer Menschenkenntnis steht, bleibt offen, aber sie hat ein Händchen für Männer, die den „Geruch des Geldes“ verbreiten. Zurzeit ist sie mit Patrik Liotard-Vogt liiert (Sohn eines ex-Nestlé-Präsidenten), der auch schon mal vor Gläubigern in die Karibik flüchten musste. Ihr ex-Mann ist Gero Bauknecht (Küchenmaschinen-Erbe); seine neue Freundin sieht aus wie eine jüngere Sandra.

Was macht Oliver Burger jetzt? „Konkrete Pläne habe ich keine. Ich ordne mein Leben neu.“

 

 

 

"Weltwoche"-Fest mit vielen VIPs

„Eine solche Meinungsvielfalt pro Quadratmeter Bodenfläche ist einzigartig“ stellte Roger Köppel nicht ohne Stolz fest, als er im „Terrasse“ auf die Gästeschar blickte, die seiner Einladung zum 4. Sommerfest der „Weltwoche“ gefolgt waren. „Wir sind eine autonome Republik des freien Denkens“, befeuerte er seine Gäste, und: „An diesem Fest dürfen Sie sagen, was Sie wollen.“ Der Herausgeber/Chefredaktor der „Weltwoche“ sagte, was er mit seiner Zeitung will: „Echte Meinungsvielfalt, Offenheit, Ehrlichkeit“, und „Man mutet den Leuten, über die man schreibt, die Wahrheit zu.“ Die „Weltwoche“, so Köppel, sei schon bei ihrer Gründung 1933 „widerspenstig, ein Stachel im Fleisch“ gewesen. Sein Team sei „eine internationale Elitetruppe hochmotivierter und bestausgebildeter Journalisten“; da fühlten sich die anwesenden Redakteure und Mitarbeiter mega-gebauchpinselt. Dann dankte er seiner Frau Bien, die ihm drei Kinder geschenkt hat und die „in der Firma mitarbeitet“, und schliesslich – sehr sehr wichtig – den Lesern, „die ich leider nicht alle einladen konnte – es werden immer mehr!“

So hochmotiviert durch Köppels Rede stürzten sich alle in das ungezwungene Fest. Prosecco und Wein, von den „Terrasse“-Mitarbeitern grosszügig ausgeschenkt, befeuerten die Zungen. Es waren viele wichtige Leute da. Köppel hatte seine Rede auf hochdeutsch gehalten („hat nichts mit der Zuwanderungsinitiative zu tun“), weil einige Gäste aus Deutschland angereist waren. Helmut Markwort, der Medienmogul und Mitherausgeber von „Focus“, mit Lebensgefährtin Patricia Riekel, bis vor zwei Monaten Chefredaktorin von „Bunte“, heute Herausgeberin im Burda-Verlag, und Buchautor und „Spiegel“-Publizist Matthias Matussek.

Filmproduzent Arthur Cohn war extra aus London angereist, wo er einen neuen Film dreht. Er kam „aus Freundschaft zu Roger Köppel“, übernachtete in einem Hotel am Flughafen und flog am nächsten Morgen wieder weg.

Ein historischer Moment ereignete sich für Fifa-Eingeweihte. Sepp Blatter und sein schärfster Kritiker Guido Tognoni sprachen zum ersten Mal seit 13 Jahren miteinander und reichten einander die Hand. Freunde werden sie trotzdem nicht mehr, zwischen dem Walliser und dem Bündner sind die Gräben zu tief, sie benahmen sich einfach wie Gentlemen. Sepp Blatter erschien mit seinem Hagiografen, dem Journalisten Thomas Renggli; der ehemalige Fifa-Sprecher Walter de Gregorio mit der aufregendsten Blondine des Abends. War interessant zu beobachten, wie alle Männer versuchten, mit der unbekannten Schönen ins Gespräch zu kommen.

Das politische Spektrum der Anwesenden war breit. SP-Frau Chantal Galladé sass mit Parteikollegen und ex-Liebhaber Daniel Jositsch spätnachts noch an einem Tisch ins Gespräch vertieft, die SVP-Männer Christoph Blocher, Thomas Matter, Alfred Heer und Christoph Mörgeli waren selbstverständlich da, von den FDP sah man Stadtrat Filippo Leutenegger und Nationalrat Hermann Hess, von der CVP Köppels Nationalrat-Kollegin Kathy Riklin.

Bestseller-Autor Rolf Dobelli („Die Kunst des klaren Denkens“), ein enger Freund Köppels, gab ein Geheimnis preis. Carla Maria Bagus, die „Vom Mann, der auszog, um den Frühling zu suchen“ schrieb, ist seine Frau. Sie wählte den Namen ihrer verstorbenen Mutter, um nicht als „Frau von...“ beurteilt zu werden. Das Buch, eine Art Reise-zur-Leichtigkeit-Märchen, vor zwei Wochen erschienen, geht bereits in die zweite Auflage. Dobelli: „Einen so gelungenen Start als Schriftsteller hatte ich nicht.“

Das Zürcher Establishment war vertreten durch Annina Müller-Bodmer (Fundraising) und Georges Müller (Cosatravel), Anwalt und Kunstsammler Peter Nobel sowie René Beyer (Chronometrie Beyer), der als Hobby-Imker auf seinem Dach (Bahnhofstrasse) heuer 230 Kilo Honig erntete (letztes Jahr waren es 78), was Karl Lüönd als „einzigartige Wachstumsrate“ kommentierte. Lüönd arbeitet an einem Buch über Denner-Gründer Karl Schweri, den Grossvater von Philippe Gaydoul.

Die musikalische Untermalung gestaltete nicht wie an früheren „Weltwoche“-Sommerfesten „Moby Dick“, die Band von Rudi Bindella (mischte sich unter die Gäste), sondern ex-“Weltwoche“-Chefredaktor Jürg Ramspeck mit seiner Jazz-Formation „Easy Listening“. Was Pepe Lienhard und seine Frau Christine zum Zuhören und den Chirurgen Cédric George zum Tanzen animierte.

 

 

Stefan-Zweig-Film ins Oscar-Rennen

Österreich schickt den Film "Vor der Morgenröte" ins Rennen um den besten ausländischen Film bei der Oscar-Verleihung in Los Angeles. Der Film von Maria Schrader über die letzten Lebensjahre des Schriftstellers Stefan Zweig im brasilianischen Exil läuft zurzeit auch in den Schweizer Kinos. Er ist etwas episch geraten, dank der brillanten Zweig-Darstellung durch Josef Hader nicht uninteressant. Dass er aber einen Oscar bekommt, kann man sich kaum vorstellen.

Helmut-Maria Glogger ist tot

Der bekannte Journalist und Autor Helmut-Maria Glogger ist tot. Er wurde vor zwei Tagen in seiner Wohnung in Zürich tot aufgefunden - man vermutet Herzinfarkt.

Helmut-Maria Glogger schrieb Bücher (über Eliette von Karajan, Udo Jürgens etc.), war Chefredaktor der "Glückspost", verfasste Artikel für "Weltwoche", "Bunte" etc., war ein begeisterter Klarinettenspieler und ein umfassend gebildeter Mann.

Er hinterlässt drei Kinder und seinen geliebten Hund Snow.

Kollegen und Freunde trauern aufrichtig.

Wroclaw - das Juwel an der Oder

Am 10. Dezember wird in der diesjährigen Kulturhauptstadt Wroclaw (Breslau) der Europäische Filmpreis verliehen. Auf der Shortlist steht der Dokumentarfilm „Ein Deutsches Leben“ über die Sekretärin von Joseph Goebbels. Er beleuchtet das Leben der heute 105-jährigen Brunhilde Pomsel, die drei Jahre Sekretärin des NS-Propagandaministers war und so zum inneren Machtzirkel des Dritten Reiches gehörte. Auch ein Zürcher qualifizierte sich für die Auswahlliste: Jan Gassmann, bekannt durch den Schweiz-kritischen Film „Heimatland“ (2015), ein Gemeinschaftswerk von zehn Regisseuren, zeigt den Dokumentarfilm „Europa, She Loves“, eine mit Kameramann Ramon Giger gefilmte Reise durch die Liebesgepflogenheiten junger Menschen in Dublin, Tallinn und Sevilla.

Auf Einladung von Jaromir Sokolowski, Botschafter der Republik Polen in Bern, besuchten wir Wroclaw, die Europäische Kulturhauptstadt. Botschafter Sokolowski ist ein typischer Vertreter seine Standes: wohlerzogen, sprachgewandt, gebildet und galant. Er spricht perfekt deutsch, hat Germanistik studiert, war Diplomat in Berlin. Er liebt die Schweizer Weine, die Schweizer Berge und – als Musikfreund - das Lucerne Festival und das Festival von Verbier. Sokolowski ist verheiratet mit einer Landsmännin (Juristin) und Vater von drei Kindern.

Seit Wroclaw den Zuschlag als Europäische Kulturhauptstadt bekommen hat – Mitbewerber waren Kattovice, Danzig, Posen, Lodz, Lublin -, scheute die 650'000-Einwohner-Stadt keinen Aufwand, sich zu präsentieren. Flaggschiff ist die Philharmonie, im September 2015 gebaut und damit die modernste (auch in puncto Akustik) Konzerthalle Europas. Die Philharmonie hat vier Konzertsäle (der grösste fasst 1800 Besucher), steht auf einem grossen leeren Platz (vis à vis der Oper und dem eleganten Hotel „Metropol“). Hier wird die Filmpreis-Verleihung stattfinden. Auf dem „Walk of Fame“ vor der Konzerthalle steht zuoberst ein Name, den man auch in Zürich kennt: Christoph Eschenbach. Der Pianist und Dirigent war ein paar Jahre Chefdirigent der Zürcher Tonhalle. Eschenbach wurde in Breslau geboren, floh 1945 mit seiner Mutter in den Westen. Kurzer Blick in die Geschichte: 1945 wurde die gesamte Bevölkerung von Breslau ausgetauscht. Die Deutsche Bevölkerung floh vor der Roten Armee aus Breslau, Menschen aus dem östlichen Polen siedelten sich in Wroclaw an.

Wroclaw hat einen der schönsten historischen Marktplätze in Europa, es liegt romantisch an der Oder, hat die viertmeisten Brücken (über 100) in Europa (nach Venedig, Amsterdam und St.Petersburg). Wroclaw ist eine Studentenstadt, zurzeit leben hier 130'000 Studenten (die Universität ist gratis). Am Gymnasium Leopoldina hat Joseph von Eichendorff studiert, an der Universität die konvertierte Nonne Edith Stein, mittlerweile heiliggesprochen. Komplett herausgeputzt wurde das Museum für Moderne Kunst, das ein Sammlung polnischer Kunst der zweiten Hälfte des 20. und des 21. Jahrhunderts zeigt, und in der zurzeit ein Teil der Sammlung Erich Marx aus dem Hamburger Bahnhof in Berlin gastiert.

Wroclaw ist, wie alle Städte von aussergewöhnlicher Schönheit, ein Touristenmagnet, eine „Stadt der Begegnung“ (Titel des Bildbands von Stanislaw Klimek). Man sieht Seniorengruppen, die in Bussen aus Deutschland anreisen (Berlin liegt nur 2 1/2 Stunden entfernt), und junge Leute aus Spanien, England, Tschechien, Russland. Bei Engländern und jungen Deutschen sollen, wie uns Führerin Renata erzählt, Junggesellen-Ausflüge beliebt sein. Die polnischen Frauen sind sehr attraktiv. Und die Preise unschlagbar. Im Jazzclub „Vertigo“ mitten in der Stadt, wo jeden Abend eine Band spielt und die Kellnerinnen super-nett und bildhübsch sind, kostet der teuerste Drink (er heisst Yass) 24 Zloty (5 Franken), Mei Tai oder Whisky Sour gibt es für 17 Zloty (3.50 Franken). Ein Bier kostet nirgends mehr als 1 Euro. Man kann es also richtig knallen lassen in der Stadt; gerade war ein Filmfestival, wo 20'000 Besucher den Marktplatz füllten.

Das ist es, was Botschafter Sokolowski an Wroclaw gefällt: „Die Verbindung von historischer Bedeutung und Vorwärtsgewandtheit - und dass die Stadt ein Anziehungspunkt für junge Menschen ist.“ Der Flughafen ist gross und neu. Er wurde 2012 gebaut, zur Fussball-Europameisterschaft.

 

 

Provocateur Michel Péclard: Die Reichen wehren sich

Die öffentliche Meinung neigt zur Vorverurteilung der Reichen. Sobald es um jemanden geht, der Geld hat, wird in den sozialen Medien sofort Partei gegen ihn ergriffen. So auch im Fall von Bruno und Claudia Valsangiacomo-Brandestini, die sich gegen den abendlichen Lärm in der "Milchbar" in Zürich wehren. (Die Brandestini-Nachkommen, also Frau Valsangiacomo-Brandestini und ihr Bruder, werden in der Reichen-Liste der Schweiz immerhin mit einem Vermögen von 500 Millionen Franken eingeschätzt). Die Eheleute Valsangiacomo-Brandestini besitzen eine Wohnung oberhalb der "Milchbar" und wollen, dass ab 22 Uhr, wie vom Gesetz bestimmt, dort Ruhe herrscht.

Im Streitfall "Milchbar", wo sie sich durch Anwalt Valentin Landmann vertreten lassen, tut man ihnen unrecht, wenn man ihr Vorgehen als Kaprice der Reichen verurteilt. Michel Péclard, der Betreiber der "Milchbar", hat die Neigung, sich über geltende Bestimmungen hinwegzusetzen. Ganz nach dem Motto: Die Gesetze sind für die Anderen. Mit dieser Mischung aus Unbeschwertheit und Selbstüberschätzung hat er sich bei "Fischer's Fritz" Ärger mit den Behörden eingehandelt. Er musste Zelte, für die er keine Bewilligungen hatte, abbauen lassen. Das war vor einem Jahr. Auch damals stellte er sich - publizitätswirksam kam er in allen Zeitungen - als Opfer dar.

Michel Péclard ist ein charmanter Kerl mit einem guten Geschäftssinn. Dass er geltende Bestimmungen ignoriert, ist für das klagende Ehepaar wohl - mehr als der Lärm - die eigentliche Provokation.

News aus Havanna

Franzosen betreiben den Flughafen in Havanna. Nach der Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen den USA und Kuba wird der Flughafen José Marti in Havanna (3,5 Millionen Passagiere im Jahr 2015; dieses Jahr werden 3,7 Millionen erwartet) von Paris aus betrieben.

Jetzt verstehe ich, warum die Rechnung für das Mietauto, das wir in Kuba gebucht hatten, aus Paris kam.

Wir waren gerade in Kuba - ein grossartiges Land (herrlichste Landschaft) mit grossartigen Menschen. Vor allem, wenn man bereit ist, sie zu verstehen.

Nur das mit dem Mietauto klappte nicht. Wir haben bei www.havanautos.com einen Mittelklassewagen für sieben Tage bestellt und 560 Dollar bezahlt. Alles war bestätigt, doch leider war - als wir in Havana auf dem Mietwagen-Parkplatz standen - kein Auto da. Also Vorsicht bei Autobestellungen auf Kuba: Reservation und Bezahlung werden entgegengenommen, auch für Autos, die nicht vorhanden sind. Das Geld kassieren (vermutlich) nicht die Kubaner, sondern die Exil-Kubaner in Miami - und neuerdings auch die Franzosen.

Ende gut, alles gut: Wir nahmen einen Oldtimer (Pontiac 55) mit Chauffeur (Julio), und die 560 Dollar, die nach Paris gingen, haben wir abgeschrieben. Ich habe auch schon mal ein Paar Schuhe für 560 Dollar gekauft, das ich nie getragen habe...

Sehnsuchtsorte Festspiele: Alles im Wandel

Bisher musste, wer an die Bayreuther Festspiele wollte, mindestens zehn Jahre warten (und es jedes Jahr erneut versuchen), bis er endlich Eintrittskarten bekam, heute kann man die Karten für den Grünen Hügel auf e-Bay ersteigern. Bayreuth im Wandel? Die Wirkungsstätte von Richard Wagner, wo der Meister höchstpersönlich die Scheune bauen liess, die seiner Musik perfekten akustischen Raum bietet, war stets von Skandalen gebeutelt und von künstlerischen Dramen erschüttert. Absagen, Umbuchungen und heuer sogar die Flucht des Dirigenten. Andris Nelsons, der die Festspieleröffnung „Parsifal“ hätte dirigieren sollen, verliess Bayreuth fluchtartig. Der Musikdirektor Christian Thielemann sass bei seinen Proben, kritisierte ihn, was Nelsons, Leiter des Boston Symphony Orchestra und ab 2018 Chef des Gewandhausorchesters in Leipzig, so enervierte, dass er nach Riga abreiste und per Mail mitteilte, dass er nicht daran denke zurückzukehren. Er, der vor sechs Jahren hier mit „Lohengrin“ einen der grössten Erfolge Bayreuths feierte, wurde durch den 73-jährigen Hartmut Haenchen ersetzt.

Inszenieren sollte den „Parsifal“ der deutsche Provokationskünstler Jonathan Meese, der in seinen Inszenierungen oft mit Hitler- und Nazibezügen arbeitet. Das war der Festspiele-Leiterin Katharina Wagner dann zu heikel. Bayreuth und Hitler - eine fatale Verflechtung. Hitler war ein glühender Wagner-Fan, und Wagners Schwiegertochter Winifred eine glühende Hitler-Verehrerin (sie wollte, nach dem Tod ihres Mannes, sogar Hitler heiraten). So ersetzte die Intendantin, Richard Wagners Urenkelin, Jonathan Meese durch den bewährten Uwe Eric Laufenberg, der einen „Parsifal“ aus der Schublade ziehen konnte, den er für Köln konzipiert hatte. Die Titelrolle singt Klaus Florian Vogt.

Dieses Jahre hat Angela Merkel ihren Besuch auf dem Grünen Hügel abgesagt. Sie war bisher stets der höchste Gast bei der Eröffnung der Bayreuther Festspiele. Ob der Bundeskanzler der Zukunft mit der gleichen Nibelungentreue wie die Kanzlerin, die hier als Begleiterin ihres Ehemanns Joachim Sauer, eines Wagner-Liebhabers, erscheint, auch nach Bayreuth pilgern wird, steht in den Sternen. Zehn Werke stehen Bayreuth, wo ausschliesslich Musikdramen von Richard Wagner gespielt werden, zur Verfügung. Und die Leute, die sich in Richard-Wagner-Zitaten unterhalten, sterben langsam aus.

Wenn sich herausstellt, dass Katharina Wagner, die am Grünen Hügel auch hin und wieder inszeniert, eine zweit- wenn nicht drittklassige Regisseurin ist, dann verblasst auch der Nimbus der Wagner-Gene.

Bayreuth, ein geliebter Sehnsuchtsort, nicht leicht in die Zukunft zu führen!

 

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Salzburg hat auch ein Problem. Nämlich dass Österreich im Moment keinen Bundespräsidenten hat, (man nennt ihr hier – da wenig politische Kompetenzen, dafür Repräsentationspflichten – den „Grüss-August“), der traditionell die Eröffnung der Salzburger Festspiele mit seiner Gegenwart adelt. So macht das Doris Bures, die Nationalratspräsidentin. Festspiel-Präsidentin Helga Rabl-Stadler, seit 1995 im Amt, hat angekündigt, dass sie sich zur Wiederwahl stellen wird, während der Schauspieler Cornelius Obonya mitteilte, dass er den „Jedermann“, die symbolträchtigste Rolle dieser Festspiele, heuer zum letzten Mal auf dem Domplatz spielen wird. Was in Salzburg für grosse Aufregung sorgt. Nächstes Jahr kommt ein neuer Intendant, Markus Hinterhäuser, der Pianist, der die Wiener Festwochen leitete und ein Jahr in Salzburg Interims-Intendant war (nach dem vorzeitigen Abgang von Jürgen Flimm und vor dem Kurz-Gastspiel von Alexander Pereira). Man darf sich da auf viel Neues freuen! Salzburg ist, wie jeden Sommer, Hotspot der High Society und der grossen Künstler. Hier tummeln sich zurzeit: Thomas Gottschalk, Bianca Jagger, Corinna Flick, Elisabeth Gürtler, die Porsches und die Schwiegermutter der schwedischen Prinzessin Madeleine. Es sind haargenau die Gleichen wie jedes Jahr. Und auch Anna Netrebko ist da. Ihre Vorstellungen („Manon Lescaut“, konzertant) und jene mit Placido Domingo (Thaïs“, auch konzertant) sind restlos ausverkauft. Für alles andere gibt es noch Karten.

 

 

Die Krankheit der Mächtigen: Hybris und Eitelkeit

Roger Schawinski hat ein Buch geschrieben ("Ich bin der Allergrösste"), in dem er den Narzissmus der Männer in den Chefetagen gnadenlos entlarvt. Narzissmus und Hybris würden diese Männer zu Machtgehabe, Geldgier, Realitätsverlust verleiten und schliesslich sie selbst und oft auch ihre Firmen ins Unglück stürzen. Frauen kommen in dem Buch keine vor, "weil sie sich nur selten in Führungspositionen vorkämpfen und Hybris bei ihnen grundsätzlich weniger häufig auftritt" (so der Autor).

Joe Ackermann, der einst gefeierte Banker, muss ein besonderes Ekel gewesen sein. In früheren Jahren ging er in Luxushotels zum Concierge, erkundigte sich, welche VIPs im Hotel abgestiegen seien und lauerte ihnen dann im Lift oder in der Lobby auf, um mit ihnen in Kontakt zu kommen. Später, als er mächtig war, liess er Menschen stundenlang im Vorzimmer warten, um seinen Status zu demonstrieren. Intellektuell hochmütig und kalt sei er gewesen. Dass er eine Zeitlang Gesangsunterricht nahm, um seine Stimme zu schulen, macht ihn schon wieder sympathisch. Schawinski konstatiert beim einstigen Chef der Deutschen Bank Bluff, Darstellungsbedürfnis und einen gehörigen Mangel an Empathie.

Sein Kollege Marcel Ospel sei in der fatalen Nacht, als es um die Rettung der Swissair ging und ihn Bundesrat Moritz Leuenberger mehrmals am Telefon zu erreichen versuchte, im Privatjet, der ihn über den Atlantik flog, so betrunken gewesen, dass man ihn aus dem Flugzeug tragen musste. Schon als Bankier habe er, der gern dem schottischen Whisky zusprach, "etwas billig und schmierig" gewirkt. "Er trat eher wie ein Schlagerstar auf", zitiert Schawinski einen von Ospels Vertrauten.

Daniel Vasella sei von einer Geldgier angepeitscht worden, die daher rührte, dass er sich lange Zeit unterbezahlt fühlte und sein Selbstwertgefühl mit unverschämt hohen Boni kompensieren wollte. Um sich habe der Novartis-Boss eine "Atmosphäre der Angst" geschaffen.

"Hybris im privaten Raum" habe Jörg Kachelmann jahrelang betrieben. Mit seinem raffinierten Netzwerk von zahlreichen sexuellen Beziehung kommt der umtriebige Wetterfrosch dran, Schawinski schreibt von 14 Geliebten - gleichzeitig. Dass er jahrelang nicht erwischt wurde, steigerte seine Hybris und die Überzeugung seiner Unverwundbarkeit.

Joseph S.Blatter habe alles unternommen, um den Friedensnobelpreis zu bekommen, schreibt Schawinski. Wie weit die narzisstische Selbsteinschätzung des einstigen FIFA-Bosses geht, entlarvt eine Aussage von Blatter, die Schawinski genüsslich zitiert: "Ich habe gelitten, auch Christus hat gelitten. Jetzt geht es mir wieder gut." Sehr eitel sei Herr Blatter, den Mächtigen der Welt werfe er sich "schamlos an die Brust". So eröffne er die Telefonate mit Wladimir Putin mit "Hallo, my friend Wladimir". Auch Blatters aktuelle Herzdame, die Armenierin Linda, bekommt ihr Fett ab. Bei Veranstaltungen sitze sie in der ersten Reihe und führe sich auf "wie eine aufgekratzte Cheerleaderin". Mit Klaus Stöhlker als Sprachrohr habe Blatter einen "notorisch unseriösen PR-Menschen" gewählt. Ja, Schawinski ist in seinem Buch erfrischend frech.

Auch bei Franz Beckenbauer, Steve Jobs, Thomas Middelhoff wird Hybris und übersteigerte Selbstliebe konstatiert, und auch sich selbst schliesst Autor Schawinski aus dieser Gefährdung durch Erfolg nicht aus. In kluger Introspektion erklärt er seinen eigenen Narzissmus, den er aber glaubt, durch Erkenntnis überwunden zu haben.

Unfreiwillige Absenz vom Society-Parkett

Das gesellschaftliche Leben muss eine Zeitlang ohne Ljuba Manz auskommen (und sie ohne es): Die berühmteste Hotelière der Schweiz ("St.Gotthard" in Zürich) wurde kurzfristig ausser Gefecht gesetzt. Beim Hochheben ihres Enkels hat sie sich einen Nerv eingeklemmt, landete im Rollstuhl, musste zur Rekonvaleszenz nach Bad Ragaz, wo sie von ihrem jungen Ehemann liebevoll betreut wurde. Zurzeit erholt sie sich auf Ischia.

Wie man Ljuba Manz kennt, unzimperlich und lebenslustig, wird sie nach dem Sommer in alter Frische wieder auftauchen und das Society-Parkett mit ihrer Gegenwart bereichern. Wir wünschen gute Genesung!

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